Gelähmter findet Frau, die ihn anfuhr, und umarmt sie.

Ein schwerer Unfall warf das Leben von David Platillero Francisco vollkommen aus der Bahn. Eine junge Frau namens Freya Markowski brachte den damals 24-jährigen Musiker aus eigenem Verschulden zeitweise in den Rollstuhl. David reagierte jedoch auf dieses tragische Ereignis bemerkenswert. Monatelang suchte er nach Freya, um ihr eine wichtige Botschaft mitzuteilen.

Besagter Unfall ereignete sich im April 2016. David fuhr gerade mit seinem Fahrrad zur Blackbird-Akademie für Musikproduktion und Klangtechnik in Nashville, Tennessee (USA), als er von Freyas Auto erfasst wurde – die junge Frau hatte eine rote Ampel missachtet.

Youtube/USA TODAY

David wurde von seinem Fahrrad geschleudert, knallte gegen die Windschutzscheibe und stürzte dann aufs Pflaster, wo er blutüberströmt liegenblieb. Freya schrie, stoppte den Wagen und alarmierte die Rettungskräfte, die den Musiker umgehend in ein Krankenhaus brachten.

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Der Aufprall hatte Davids Rückenmark schwer geschädigt. Die untere Seite seines Körpers war fast vollkommen gelähmt, Rücken und linker Unterarm waren schwer verwundet. Die ersten zehn Tage kämpfte der junge Mann mit seinen Verletzungen und machte sich viele Gedanken über die möglichen Folgen des Unfalls – ob privat oder beruflich.

„Ich weinte jeden Tag“, sagte er. „Wer würde jemanden heiraten wollen, der, wie ich, von anderen Menschen abhängig ist? Es war traurig.“ Es blieb zunächst ungewiss, ob er je wieder würde laufen oder seine Musikkarriere fortführen können.

Nachdem der anfängliche Schock überwunden war, fasste David neuen Mut und begann mit der Zeit, das Geschehene zu akzeptieren. Er richtete seinen Blick nach vorn, indem er mit einem Rehabilitationsprogramm begann, um seine Bewegungsfähigkeit zurückzuerlangen. Aber nicht nur das; er wollte ebenfalls herausfinden, wer genau ihn angefahren hatte. Nach fünf Monaten Suche wusste er, dass es Freya war, weil sie sich wegen des Unfalls vor Gericht verantworten musste.

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Er nahm Kontakt mit ihr auf und beide tauschten monatelang Nachrichten aus. Dann kam der Tag, an dem sie sich erstmals von Angesicht zu Angesicht in einem Café in Nashville begegnen sollten. Es war ein wundervoller Augenblick: Weil er gute Fortschritte gemacht hatte, kam er mit Krücken zum Treffpunkt und nicht im Rollstuhl, wie Freya befürchtet hatte.

Sie sah ihn und lief auf ihn zu. Beide umarmten sich fast eine Minute lang und David konnte ihr endlich persönlich die wichtige Botschaft mitteilen, die ihm seit ungefähr einem Jahr auf dem Herzen lag: „Ich vergebe dir.“

Der junge Musiker hatte ihr vom ersten Augenblick an verziehen: „Ich habe Freya vergeben, weil es für mich sinnlos gewesen wäre, es nicht zu tun. Erstens war es nur ein Unfall. Sie wollte mich nicht anfahren, sie wollte mich nicht lähmen. Und zweitens war sie wegen des Unfalls sehr verzweifelt, wie ich gehört hatte.“

David hatte nämlich erfahren, dass Freya an Drogenproblemen und seelischen Störungen litt. Sie hatte am Tag des Unfalls ihre Medikamente nicht genommen und hörte während der Autofahrt hunderte von Stimmen in ihrem Kopf. Derart abgelenkt, achtete sie nicht auf die rote Ampel und fuhr David um.

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Zusätzlich zu ihrer ohnehin nicht gefestigten Psyche kam ein brennendes Schuldgefühl, das sie wegen des Unfalls hatte. „Ich habe meine Seele nach dem Unfall verloren. Nicht ein Tag verging, ohne dass ich angesichts der Schmerzen, die David haben musste, weinte“, erinnerte sich Freya.

Beide entwickelten nach dem Unfall eine Freundschaft und halfen einander, sich seelisch und körperlich zu erholen. Doch dazu waren Einsicht und vor allem Vergebung nötig, wie sie David im Café gezeigt hatte. Der junge Musiker sorgte sogar dafür, das Freya vor Gericht freigesprochen wurde. Er hatte erkannt, dass es besser ist, nach vorne zu schauen und nicht nachtragend zu sein. Rache kann Leid nicht ungeschehen machen, Vergebung aber zum Beginn einer neuen Freundschaft führen.

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