Abtreibungs-Überlebende kämpft gegen Abtreibungen.

Wenn es nach der Mutter von Gianna Jessen gegangen wäre, hätte sie ihre Tochter niemals auf die Welt gebracht. Zumindest nicht lebend. Als die damals 17-Jährige in der 30. Woche schwanger war, entschied sie sich nämlich für eine Spätabtreibung.

Der Schwangerschaftsabbruch fand mit Hilfe einer Salzlösung statt, die in die Gebärmutter injiziert wurde. Dort sollte die Lösung das ungeborene Kind sowohl von innen als auch von außen verätzen und schließlich umbringen. Innerhalb von 24 Stunden entband die junge Frau dann ihr totgeglaubtes Baby. Direkt nach der Geburt stellte sich jedoch heraus, dass die geplante Abtreibung fehlgeschlagen war, denn der Säugling lebte.

Gianna Jessen erblickte also am 6. April 1977 in einer Abtreibungsklinik in Los Angeles das Licht der Welt. Völlig überrascht davon, dass das Baby trotz des todbringenden Eingriffs am Leben war, rief eine Krankenschwester einen Rettungswagen, der das Frühchen in ein Krankenhaus brachte, in dem es rundum versorgt wurde. 

Allein dieser spontanen Reaktion der Krankenschwester hat Gianna ihr Leben zu verdanken, denn erst seit 2002 gibt es in den USA ein Gesetz, das es verbietet, Säuglinge, die einen Schwangerschaftsabbruch überlebt haben, durch Ersticken, Strangulieren, Wegwerfen oder Liegenlassen umzubringen.

Giannas Mutter blieb auch nach der Geburt ihrer Tochter bei dem Entschluss, diese nicht haben zu wollen, und gab sie zur Adoption frei. Zunächst kam das Baby in eine Pflegefamilie, die sich jedoch nicht hinreichend um seine Versorgung kümmerte. Mit 17 Monaten wurde es schließlich von einer Frau namens Penny adoptiert, die seitdem Giannas „richtige“ Mutter ist.
Etwa zur gleichen Zeit stellten die Ärzte fest, dass Gianna infolge der Spätabtreibung an infantiler Zerebralparese leidet, d.h. einer Erkrankung, die erhebliche Bewegungsstörungen hervorruft. Giannas Prognose war nach dieser Diagnose schlecht: Ärzte prophezeiten, dass sie niemals würde laufen lernen.

Trotz dieser niederschmetternden Vorhersage kümmerte sich Penny aufopferungsvoll um Gianna, trainierte jeden Tag mit ihr – und das mit Erfolg: Zuerst lernte das kleine Mädchen, seinen Kopf zu heben, und mit dreieinhalb Jahren gelang es Gianna sogar, mit Hilfe von Beinstützen und Gehhilfen zu laufen.
Heute ist Gianna 40 Jahre alt und braucht zum Laufen weder Beinstützen noch Gehhilfen. Ihre Krankheit drückt sich lediglich durch ein leichtes Hinken aus; sie bewegt sich sogar so gut, dass sie an verschiedenen Marathonläufen teilnimmt.

Gianna Jessen ist eine nicht nur in den USA wohlbekannte Aktivistin. Sie ist Teil der Lebensschutzbewegung, auch Pro-Life genannt, die weltweit gegen Abtreibungen kämpft – auch wenn die ungeborenen Babys krank oder behindert sind. 

Diese Bewegung ist in den 1970er Jahren in den USA entstanden und richtete sich zunächst in erster Linie gegen Schwangerschaftsabbrüche. Seit den 1990er Jahren engagiert sich Pro-Life jedoch auch gegen Pränataldiagnostik, Stammzell- und Embryonenforschung, Klonen sowie Sterbehilfe.

Gianna ist in der Öffentlichkeit hauptsächlich als Rednerin vor dem US-amerikanischen Kongress und dem britischen Unterhaus zu sehen. In ihren Vorträgen macht sie immer wieder deutlich, dass sie das beste Beispiel dafür ist, ein Recht auf Leben zu haben: „Ich glaube nicht an ein Recht aufs Töten. Ich bin komplett gegen Abtreibung unter allen Umständen, auch bei Vergewaltigung — in Glaube daran, dass ich der lebende Beweis dafür bin, dass Abtreibung der Mord an einem Menschen ist.“
Sie selbst ist überzeugte Christin und hat ihrer leiblichen Mutter den Schwangerschaftsabbruch nach einem persönlichen Treffen inzwischen verziehen: „Sie ist eine sehr gebrochene Frau, sie kam zu einer Veranstaltung und schaute unangemeldet herein und sagte: Hallo, ich bin deine Mutter. Das war ein sehr schwieriger Tag, aber ich habe meiner biologischen Mutter vergeben.“

 

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Die Lebensgeschichte von Gianna und die Details ihrer Geburt sind sehr bekannt und bieten sogar Material für Verfilmungen. Sowohl ihre Vorträge als auch die Ansichten der Lebensschutzbewegung, die sie vertritt, werden jedoch weltweit kontrovers diskutiert.

Gianna selbst ist einfach nur glücklich darüber, den Schwangerschaftsabbruch überlebt zu haben, und kämpft dafür, dass jedes ungeborene Kind das Leben auf dieser Erde kennenlernt, denn sie selbst würde es nicht missen wollen.

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