117 Jahre alte Wasserleiche wird zur Erste-Hilfe-Puppe.

Im Paris des frühen 20. Jahrhunderts wurde eines Tages ein lebloser Mädchenkörper aus der Seine gezogen. Es gab weder Anzeichen von Gewalt noch Spuren eines Unfalls – alles deutete auf einen Selbstmord der jungen Frau hin. Doch wo ihr Leben endete, begann eine Geschichte, die sich bis in unsere heutige Zeit fortsetzt.

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Nachdem sie aus dem Wasser geborgen wurde, brachte man den Körper in das Pariser Leichenschauhaus direkt hinter dem berühmten Notre Dame. Dort wurde die Leiche öffentlich aufgebahrt, um möglichen Angehörigen die Möglichkeit zu geben, sie zu identifizieren – leider ohne Erfolg. Die junge Frau blieb auch Tage später ohne Namen. Doch angeblich soll ein Mitarbeiter dermaßen von ihrer Schönheit angetan gewesen sein, dass er einen Gipsabdruck ihres Gesichts nahm und so ihr Lächeln für alle Ewigkeit festhielt.

Flickr/Uriel 1998

Anschließend ließ der Mitarbeiter eine Totenmaske von dem Gipsabdruck anfertigen, von der in den folgenden Jahren zahlreiche Kopien hergestellt wurden, die in der Pariser Bohème schon bald als morbides Einrichtungsaccessoire Einzug hielten. Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Geschichte des schönen Mädchens aus der Seine in ganz Europa, bis sie wieder in Vergessenheit geriet, ohne je aufgeklärt zu werden.

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Erst Jahrzehnte später, genauer gesagt im Jahr 1960, wurde das Mädchen wiederentdeckt, als der US-amerikanische Anästhesist Peter Safar zusammen mit dem norwegischen Spielzeugfabrikanten Asmund Laerdal versuchte, eine realistische und effiziente Hilfe für Mund-zu-Mund-Wiederbelebung zu entwickeln.

Kurz vor Vollendung der mittlerweile weltberühmten Puppe erfuhr Asmund per Zufall von der tragischen Geschichte der jungen Frau. Auch ihn zog das zarte Lächeln in seinen Bann. Um Erste-Hilfe-Teilnehmer besser zu motivieren, entschied er sich daher, das Gesicht der Übungspuppe, auch Resusci-Anne genannt, nach der Maske des Mädchens zu gestalten.

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Nur eines ist bis heute nicht geklärt: Wer war die junge Frau und warum beging sie Selbstmord? Man wird es wohl niemals erfahren. Ihr Gesicht wird uns allerdings für immer begleiten. Auch wenn die Puppen, die heutzutage in Erste-Hilfe-Kursen verwendet werden, deutlich abstrakter gehalten sind, tragen sie noch immer die unvergleichlichen Gesichtszüge der Unbekannten aus der Seine. 

Quelle:

asspra.com

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