Frau teilt Video von Obdachlosem, dem niemand helfen wollte.

Wie viele Menschen würden anhalten, wenn sie am Straßenrand einen verletzten Menschen sehen? Die Kanadierin Mariam Roya stellte mit Entsetzen fest, dass es schockierend wenige sind. Sie machte diese ernüchternde Erfahrung, als sie selbst einmal zur Helferin wurde.

Anfang des Jahres machte Mariam ein paar Besorgungen und verließ ein Geschäft, als sie mitten auf einer stark befahrenen Straße einen älteren Mann umherstolpern sah. Immer wieder traten die Autofahrer auf die Bremse, wenn sie den offensichtlich verwirrten Mann entdeckten. Mariam musste jedoch feststellen, dass die Fahrzeuge nur langsamer wurden, um besser um ihn herumfahren zu können. Keiner der Wagen hielt an, um ihm zu helfen, stattdessen hupten die Fahrer lediglich verärgert.

„Die Leute fuhren um ihn herum und hupten. Ich wusste gar nicht, was da los war. Ich war in großer Sorge, weil er Mühe hatte, wieder richtig auf die Beine zu kommen“, erzählt Mariam von der Szene, die sie beobachtete. Die junge Frau hatte großes Mitleid mit dem Unbekannten und wollte ihm unbedingt helfen. Gleichzeitig war sie bestürzt, dass niemand anderes daran dachte, dem armen Mann zu helfen.

 

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Sie stieg in ihren eigenen Wagen, den sie vor dem Geschäft geparkt hatte, fuhr zu dem Mann hin und hielt neben ihm an. Sie half ihm einzusteigen und steuerte einen nahegelegenen Parkplatz an. Der Mann erzählte ihr, dass er Sid heiße und kein Zuhause habe. Als er neben ihr im Fahrzeug saß, bemerkte Mariam, dass Sid eine große blutende Schnittwunde an seiner Schläfe hatte. Sie zögerte nicht und wollte einen Krankenwagen für den armen Mann rufen.

Sid stoppte sie jedoch, als sie zu ihrem Handy griff. Er erklärte ihr, dass er furchtbare Angst vor den Sirenen der Rettungsfahrzeuge habe, und bat sie darum, keine Ambulanz zu rufen. Mariam respektierte seinen Wunsch und beschloss, den hilflosen Mann selbst ins nächste Krankenhaus zu fahren. Dort erlebte sie die nächste böse Überraschung.

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Als die beiden im Hospital ankamen, wollte sich keiner um den Verletzten kümmern. Man sagte Mariam, er solle eine Nummer ziehen und werde dann aufgerufen, wenn ein Arzt Zeit habe. Mariam platzte angesichts von so wenig Mitgefühl für einen verletzten Mann der Kragen.

„Nein, dieser labile, verletzte Mann wird hier nicht warten, während er noch mehr Blut verliert. Entweder Sie behandeln ihn sofort oder ich werde hier einen Riesenaufstand machen“, erinnert sich Mariam an ihre Worte. Überraschenderweise zeigten ihre eindringlichen Worte Wirkung und Sids Wunden wurden behandelt. Anschließend bekam er ein Bett zugewiesen.

Mariam verließ ihren Schützling, um ihm etwas zu essen und zu trinken zu besorgen. Eine der Schwestern fragte sie doch tatsächlich, wieso sie sich um diesen Wohnsitzlosen kümmere, obwohl sie ihn doch gar nicht kenne. Diese Frage ließ sie völlig am Mitgefühl der Menschen in ihrem Land zweifeln. „Weil er ein Mensch ist!“, antwortete sie energisch.

Nach den ersten frustrierenden Stunden im Krankenhaus waren die Ärzte endlich darum bemüht, den geschwächten Sid wieder gesund zu pflegen. Sie nahmen sich auch seiner psychischen Probleme an und versuchten, ein Pflegeheim zu finden, damit er dort die Langzeitpflege bekäme, die er nach Jahren auf der Straße benötigte.

Mariam war so schockiert von der Herzenskälte, die sie an jenem Tag von ihren Mitmenschen erfahren hatte, dass sie Sids und ihre Geschichte auf ihrem Facebook-Account teilte. Viele ihrer Freunde und Bekannten dankten der jungen Frau für ihren Einsatz und beteten für Sids Genesung.

Nachdem Sid in der Vergangenheit so schlecht behandelt worden war, nahm seine Geschichte eine Woche später eine wunderschöne Wendung: Mariams Internet-Beiträge hatten mittlerweile tausende von Menschen erreicht, und eines Tages meldete sich eine Frau bei ihr.

Sie suche schon länger nach Sid, habe ihn aber bisher nicht finden können. So kam es, dass Mariam Sid ein weiteres Mal helfen konnte. Denn diese Frau war niemand anderes als Sids Tochter, die ihren Vater schmerzlich vermisst hatte und nun wieder mit ihm vereint war. Es scheint, als meine es das bislang traurige Schicksal des 80-Jährigen nun endlich gut mit ihm.

Mariam betont, dass sie mit ihrer Geschichte nicht auf ihre gute Tat aufmerksam machen, sondern – im Gegenteil – zeigen wolle, wie herzlos viele Leute seien. Die Menschen müssten anfangen, sich gegenseitig zu helfen und nicht nur an sich zu denken.

„Da ich weiß, wie schlecht wohnsitzlose und alte Menschen teilweise in den Krankenhäusern behandelt werden, habe ich mich dazu entschlossen, im Pflegebereich zu arbeiten. Auch wenn ich nur einen kleinen Beitrag leisten kann, helfe ich damit ein paar Menschen in Not“, erzählt Mariam von ihren Zukunftsplänen.

Hier kannst du dir das Video von Sid im Krankenbett (in englischer Sprache) anschauen:

Es ist wirklich traurig, was Sid passiert ist. Auch er hat es verdient, mit Respekt behandelt zu werden. Es ist schockierend, dass so viele Menschen ihn einfach ignoriert haben. Mariams Geschichte zeigt aber auch, dass es trotz all der sozialen Kälte noch gute Menschen gibt. Sie sollte uns als Beispiel für unseren Alltag dienen.

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