Fotos von „Hyänen-Männern“ gehen um die Welt.

Tüpfelhyänen sind den meisten Europäern wohl insbesondere aus dem Disney-Klassiker „Der König der Löwen bekannt“. Die Raubtiere, die in weiten Teilen Afrikas verbreitet sind, genießen nicht den besten Ruf. Bei der afrikanischen Bevölkerung gelten Hyänen teils als dumm und boshaft, teils als listig und stark. Gefürchtet werden sie nicht zuletzt wegen ihrer extrem kräftigen Kiefer und messerscharfen Reißzähne. Umso erstaunlicher ist es, dass es offenbar Menschen gibt, die Hyänen quasi als Haustiere halten.

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2005 wurde der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo durch Amateurfotos auf eine Gruppe von nigerianischen Männern aufmerksam, die Hyänen, Paviane und andere Wildtiere an der Leine führten. Fasziniert von diesem skurrilen Anblick und den vielen Mythen, die sich um diese Leute rankten, flog Pieter schließlich 2007 in den nigerianischen Bundesstaat Kano, um die „Hyänen-Männer“ mit eigenen Augen zu sehen und zu fotografieren.

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Dort angekommen, fand der Fotograf heraus, dass es sich bei den mysteriösen Männern um eine Art Wanderzirkus handelte. Sie zogen als Tierbändiger und Wunderheiler durch die Städte, unterhielten die Leute mit Tiershows und verkauften traditionelle Medizin. Allerorts wurden die „Hyänen-Männer“ mit einer Mischung aus Bewunderung, Furcht und Misstrauen betrachtet. 

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Auch Pieter selbst wurde von der Gaukler-Truppe schnell in den Bann gezogen, sodass er sich dazu entschloss, sie längere Zeit auf ihrer Tour zu begleiten und zu fotografieren. Dem Südafrikaner gelangen dabei einmalige Aufnahmen, die den faszinierenden bis unheimlichen Zauber der Hyänen-Männer perfekt einfingen. In kurzer Zeit gingen Pieters Aufnahmen um die ganze Welt. 

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Besonderes Aufsehen erregte die seltsame Beziehung zwischen den Hyänen und den Männern, die auf den Bildern deutlich wurde. Wie Pieter berichtete, seien die Raubtiere recht zahm gewesen, weil sie schon als Jungtiere in die Gruppe gekommen seien. Anders sei es mit den Pavianen gewesen, denen es in der Gefangenschaft wesentlich schlechter gegangen sei. Natürlich gibt es auch Kritik von Tierschützern an der Haltung der Tiere, doch die nigerianische Regierung scheint das Treiben der Zirkusleute zu billigen.

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Am faszinierendsten war für Pieter das Verhältnis zwischen den Hyänen und den Gauklern: „Da war eine seltsame Bindung zwischen den Männern und den Hyänen, die schon an Sadomasochismus grenzte. Diese Tiere waren als Junge aus der Wildnis geholt worden. Sie konnten nicht zurück. Sie waren vollkommen abhängig von den Männern, um sich zu ernähren. Und die Männer waren vollkommen abhängig von den Tieren, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie brauchten einander, aber es war keine einfache Symbiose.“

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Das Phänomen von sogenannten „Hyänen-Menschen“ gibt es auch in anderen Teilen Afrikas. Auch in Äthiopien genießen Hyänenbändiger ein besonderes Ansehen. In der äthiopischen Stadt Harar hat das Füttern von Hyänen eine lange Tradition und gilt heutzutage als Touristenattraktion.

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Die äthiopischen Hyänenbändiger sind besonders unerschrocken und füttern die Tiere sogar mit dem Mund. Im Gegensatz zu den nigerianischen Hyänen-Männern leinen sie die Raubtiere jedoch nicht an und legen ihnen auch keine Maulkörbe an.

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Nicht zu verwechseln sind die Tierbändiger von Nigeria und Äthiopien übrigens mit den „Hyänen-Männern“ im südostafrikanischen Staat Malawi: Hier nennt man eine bestimmte Art von männlichen Prostituierten „Hyänen“. Diese Männer werden für die rituelle Entjungferung von, teils auch minderjährigen, Frauen bezahlt. Obwohl dieser Brauch inzwischen offiziell verboten ist, wird er teilweise immer noch durchgeführt.

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Obwohl seit Pieters Fotoreihe nun schon einige Jahre vergangen sind, haben die Aufnahmen nichts von ihrer fesselnden Kraft verloren. Für den Südafrikaner sind die Bilder vor allem ein Symbol für das zwiespältige Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Unvergesslich sind die Fotos allemal!

Quelle:

FAZ,

The Guardian

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